Ganz zufällig kamen wir gestern drauf, dass Sommersonnenwende war. Während wir in den letzten Wochen schon viel die Länderein, die Äcker um uns betrachtet hatten, so wurde mir gestern mit aller Deutlichkeit bewusst, wie weit das Jahr schon herangereift war und wie es das ohne unser Zutun macht. Vieles, sehr vieles geschieht um uns, ohne unser Zutun und ist oftmals sogar noch besser, als wenn wir uns darum kümmern. Dabei sind wir so oft von dem Gedanken beseelt, die Dinge lenken zu können, sie optimieren zu können. Wie in einem kleinen Größenwahn denken wir, ohne uns, ohne unser Zutun, ohne unsere Geschäftigkeit passieren die wirklich wichtigen Dinge nicht.
Wir können zu Hause bleiben und es läuft weiter, die Natur wächst, gedeiht, vergeht. Obwohl ich natürlich auch in den vergangenen Wochen immer mal wieder draußen gewesen bin, traf mich diese demutsvolle Einsicht doch. Es war ein bisschen, als ob ich mit ganz neuen Augen unterwegs war und Dinge zum ersten mal sah. Schon über Wochen hatte ich über Getreide nachgedacht, wie es seit Jahrtausenden bei den Menschen ist, was für eine Bedeutung es hatte und heute eben nicht mehr so hat. Die Ursprünglichkeit, die Sinnbildlichkeit.
Neben den Ähren fanden sich auch Mitbewohner - der hauchdünne Mohn, der im Wind hin- und herwiegt, die Pusteblumen mit ihren tausenden Schirmchen, die sich auch irgendwann dem Wind ergeben und mit ihm schweben an andere Orte, um sich dort niederzulassen, in die Erde zu fallen und mit Hilfe von Regen und Sonne wieder ein neues Leben zu beginnen.
Manches Mal wünschte ich, dass auch wir uns wieder niederlassen könnten und mit Hilfe der Elemente ein neues Leben beginnen könnten. Doch dazu müssten wir uns formen lassen, wir müssten uns ihnen ergeben und aufhören, die Kontrolle übernehmen zu wollen. Wir müssten dem natürlichen Kreislauf einfach folgen, ohne Wenn und Aber.

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